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Seitenschläfer oder Rückenschläfer? Warum Ihr Körper beide Male gemessen wird

Kurz gesagt: Derselbe Körper erzeugt in Seitenlage und Rückenlage deutlich unterschiedliche Druckbilder – im Schnitt weichen die Messwerte je Punkt um 5,2 mbar voneinander ab. An Schulter und Hüfte ist der Unterschied besonders groß und bei fast allen gemessenen Personen in dieselbe Richtung. Eine Matratze, die nur auf eine Lage abgestimmt ist, trifft die andere nicht.

Franz-Josef Keiten

Schlaf- und Liegeberater, Tischlermeister

Viele Menschen beschreiben sich selbst als „Seitenschläfer“ oder „Rückenschläfer“ – und fragen dann sinnvollerweise: Macht meine Schlaflage bei der Matratze überhaupt einen Unterschied? Die Antwort ist eindeutig ja. Aber die Folgefrage ist interessanter: Warum?

 

Derselbe Körper, zwei verschiedene Druckbilder

Wenn Sie sich auf eine Liegefläche legen, übt Ihr Körper an verschiedenen Stellen unterschiedlich viel Druck aus. Welche Zonen daraus entstehen und wie sie übersetzt werden, haben wir in einem früheren Beitrag beschrieben. Entscheidend hier: Dieses Druckbild ist nicht fest. Es verändert sich, wenn Sie die Lage wechseln – und zwar nicht gleichmäßig überall, sondern sehr unterschiedlich je nach Körperstelle.

In Seitenlage ragen Schulter und Hüfte seitlich heraus. Sie stützen sich stärker ab und erzeugen dort mehr Druck. Im Liegen auf dem Rücken hingegen verteilt sich das Gewicht flächiger: Schulter und Hüfte sinken weniger tief, die mittlere Rückenpartie trägt mehr.

Was unsere Messungen zeigen

Wir haben die Liegedruck-Messungen von 60 Personen in beiden Lagen ausgewertet. Das Ergebnis ist klar:

Im Schnitt weicht der gemessene Druck je Messpunkt zwischen Seiten- und Rückenlage um 5,2 mbar ab. Das klingt zunächst abstrakt – aber je nach Person liegt dieser Wert zwischen 2,5 und 8,4 mbar, und auch am unteren Ende des Spektrums handelt es sich um einen echten, messbaren Unterschied.

Wo die Unterschiede am stärksten sind

Besonders auffällig ist, wo diese Unterschiede entstehen:

Im Schulterbereich liegen die Druckwerte in Seitenlage bei 58 von 60 Personen höher als in Rückenlage – und zwar deutlich. Im unteren Hüftbereich gilt dasselbe für 59 von 60 Personen. Die Richtung ist so einheitlich, dass sie kaum noch als individuelle Besonderheit betrachtet werden kann: Sie ergibt sich aus der Form des Körpers und der Mechanik des Liegens.

In der mittleren Rumpfpartie hingegen ist der Unterschied gering und nicht einheitlich gerichtet. Diese Körperstellen verhalten sich in beiden Lagen ähnlich.

Ein Beispiel aus diesen Daten: Eine Person mit 81 Kilogramm wurde in beiden Lagen vermessen. Im Schulterbereich lagen die Druckwerte in Seitenlage fast doppelt so hoch wie in Rückenlage; im unteren Hüftbereich war der Unterschied vergleichbar stark. Die Taille dazwischen? Kaum verändert. Derselbe Körper, dieselbe Messung – und trotzdem zwei Profile, die eine Matratze unterschiedlich fordern.

Messdaten M-021 (81 kg) – Gegendruck in mbar:
P3P4P5P6P7P8P9P10P11P12P13P14
Seitenlage113135312521202732332517
Rückenlage71319232218202323191513
Differenz+4+18+16+8+3+30+4+9+14+10+4
Werte in mbar. Grün: Schulter (P4/P5) und untere Hüfte (P11/P12) mit den größten Lageunterschieden.

Was das für Ihre Matratze bedeutet

Eine Liegefläche, die nur auf Ihre Rückenlage abgestimmt wäre, würde Schulter und Hüfte in der Seitenlage zu wenig Spielraum lassen. Eine, die nur die Seitenlage berücksichtigt, würde die Rückenlage womöglich zu weich gestalten.

Deshalb werden bei unserer Beratung beide Lagen gemessen und beide fließen in den Systemvorschlag ein. Wie genau die zwei Messungen gewichtet werden, ist eine Folgefrage, über die wir selbst noch mehr lernen wollen. Was die Daten aber bereits klar zeigen: Wer nur eine Lage misst, hat die Hälfte der Information.

Das ist auch der Grund, warum Gewicht allein nicht ausreicht, um eine Matratze zu wählen – und warum es auch nicht genügt, zu wissen, ob jemand „eher Seiten- oder Rückenschläfer“ ist. Beide Aussagen sind wahr und trotzdem unvollständig. Was zählt, ist das tatsächliche Druckbild in beiden Lagen – und das zeigt sich erst, wenn man misst.

Beide Schlaflagen messen lassen?
In der persönlichen Beratung erfassen wir Ihr Druckprofil in Seiten- und Rückenlage und leiten daraus einen individuellen Systemvorschlag ab.

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Dieser Beitrag beruht auf ausgewerteten Liegedruck-Messungen aus unserer eigenen Schlafberatung (Stand Juli 2026, 60 Personen, Seiten- und Rückenlage). Er trifft keine Aussagen über Beschwerden oder Gesundheit, sondern beschreibt ausschließlich, wie sich der Auflagedruck desselben Körpers in verschiedenen Schlaflagen verändert.